Jedes Unternehmen hat die Möglichkeit für wichtige Entscheidungen relevante Daten zu sammeln. Beispielsweise lieert Google Analytics Websiteaufrufe, das CRM zählt Leads, die Buchhaltung kennt den Umsatz, und in Excel-Tabellen stehen Budgets, Zielwerte und Personalzahlen.
Aber welche dieser Zahlen sind tatsächlich relevant? Welche sollten konkrete Entscheidungen stützen? Welche sollten beobachtet werden, um Einblick in die Entwicklung des Unternehmens zu erhalten?
Daten, KPI und Business Intelligence beginnen nicht bei Dashboards. Sondern bei der Frage, welche Daten in welcher Form gebraucht werden, damit bessere Entscheidungen entstehen.
Ein Marketing-Team beobachtet wöchentlich die Seitenaufrufe auf der Website. Die Zahl steigt seit Monaten. Es gehen aber nicht mehr Anfragen ein.
Erst als das Team die Conversion Rate pro Kanal als Kennzahl einführt, wird sichtbar, über welche Quellen die Besucher auch Anfragen schicken. Die Seitenaufrufe war überwacht, aber die Conversion Rate war relevant.
Dieser Artikel erklärt, welche Rolle Daten in Business Intelligence spielen, wie aus Rohdaten belastbare Kennzahlen entstehen und worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt. Er bildet die konzeptionelle Grundlage für alle weiteren Themen rund um Daten, Quellen und Kennzahlen.
Welche Rolle Daten in BI spielen
Business Intelligence sind Systeme und Prozesse die Daten auswerten, um Entscheidungen zu fundieren. Dabei kommen unterschiedliche Arten von Daten zusammen, die jeweils eigene Stärken und Grenzen haben.
Strukturierte Daten
Die meisten Daten in BI sind strukturiert: Zahlen, Datumsangaben, Kategorien. Alles, was sich in Zeilen und Spalten organisieren lässt. Umsätze pro Monat, Klicks pro Kampagne, Leads pro Kanal. Strukturierte Daten lassen sich direkt in Dashboards und Berichten verwenden.
Unstrukturierte Daten
Kundenfeedback, Support-Tickets, E-Mails oder Notizen aus Vertriebsgesprächen enthalten wertvolle Informationen, die sich nicht ohne Weiteres in Zeilen und Spalten fassen lassen.
Sie ergänzen strukturierte Daten um Kontext und qualitative Einsichten. Moderne BI-Lösungen können auch solche Datensätze speichern und zugänglich machen. Auch wenn sie sich nicht direkt visualisieren lassen.
Dimensionen und Metriken
Strukturierte Daten folgen einem Grundprinzip, das für BI zentral ist: die Unterscheidung in Dimensionen und Metriken.
Dimensionen beschreiben den Kontext: Zeitraum, Kanal, Region, Produktkategorie, Mitarbeiter. Sie beantworten die Frage „Wo, wann, wer, was?"
Metriken sind die messbaren Werte: Umsatz, Klicks, Kosten, Bestellungen, Seitenaufrufe. Sie beantworten die Frage „Wie viel?"
Ein einzelner Datenpunkt – etwa „4.250 € Umsatz" – wird erst durch Dimensionen aussagekräftig: 4.250 € Umsatz, Online-Shop, März 2026. Dieses Zusammenspiel von Metriken und Dimensionen bildet die Grundlage für jede BI-Analyse und bestimmt.
Um mehr darüber zu erfahren wie diese Daten in der BI-Lösung integriert werden (siehe Datenquellen verbinden).
Von Rohdaten zur Kennzahl
Nicht jede Zahl, die ein System liefert, ist automatisch eine nützliche Kennzahl. Der Weg von Rohdaten zu einer belastbaren Entscheidungsgrundlage verläuft in drei Stufen.
Rohdaten
Rohdaten sind die unverarbeiteten Informationen, die ein Quellsystem erzeugt z.B.:
- einzelne Seitenaufrufe
- Transaktionsdatensätze
- Logeinträge
- CRM-Kontakte.
Sie sind detailliert, aber in ihrer Einzelbetrachtung selten entscheidungsrelevant. Um Geschäftsentscheidung sinnvoll zu stützen, bedarf es einer Strategie im Umgang mit den Daten.
Metriken
Durch Aggregation und Berechnung entstehen aus Rohdaten Metriken: Gesamtumsatz im Monat, Anzahl Seitenaufrufe pro Tag, durchschnittliche Verweildauer. Metriken fassen Rohdaten zusammen und machen sie analysierbar. Sie beschreiben, was passiert ist. Ob das gut oder schlecht ist, hängt vom Kontext ab.
„Wir hatten im März 12.400 Website-Besucher" ist eine Metrik.
„Unsere Besucherzahl liegt 18 % über dem Vormonat, aber die Conversion Rate ist von 3,2 % auf 2,1 % gefallen" ist eine Kennzahl mit Kontext.
Erst die zweite Aussage stützt eine Entscheidung. In diesem Fall zu untersuchen, warum mehr Besucher gewonnen wurden, aber weniger konvertieren.
Kennzahlen (KPIs)
Eine Metrik wird zur Kennzahl (Key Performance Indicator), wenn sie an ein konkretes Ziel gebunden ist. Die Conversion Rate ist eine Metrik. Die Conversion Rate im Vergleich zum Zielwert von 3,5 % ist eine Kennzahl.
Erst durch den Bezug zu einem Ziel, einem Vergleichswert oder einem Schwellenwert wird eine Zahl bewertbar. So wird sie entscheidungsrelevant.
Eine Informationen in Form einer eine Kennzahl ist per se nicht hilfreich. Die relevanten Kennzahlen sind die, welche Handlungsbedarf sichtbar machen:
"Wir müssen genauer untersuchen warum das so passiert ist."
und im nächsten Schritt:
"Wie nutzen wir diese Erkenntniss um die relevanten Kennzahlen zu verbessern?"
So führt das Beobachten, Analysieren und Nutzen relevanten Kennzahlen zu besseren Geschäftsergebnissen.
Ergebnis- und Treiber-Kennzahlen
Es gibt Ergebnis-Kennzahlen und Treiber-Kennzahlen. Beide haben unterschiedliche Aussagekraft, unterschiedliche Funktionen und ergänzen sich.
Ergebnis-Kennzahlen
Ergebnis-Kennzahlen messen, was am Ende herauskommt: Umsatz, Gewinn, Kundenzufriedenheit, Abschlussquote. Sie zeigen, ob ein Ziel erreicht wurde. Aber nicht, warum.
Aus der Ergebnis-Kennzahl Umsatz alleine lässt sich nicht ableiten, ob es am Traffic, an der Conversion Rate, am Warenkorbwert oder an der Retourenquote liegt.
Treiber-Kennzahlen
Treiber-Kennzahlen messen die Faktoren, die ein Ergebnis beeinflussen: Anzahl qualifizierter Leads, Antwortzeit im Vertrieb, Klickrate einer Kampagne, Warenkorbwert.
Sie sind operativer und lassen sich schneller verändern als Ergebnisse. Wer Ergebnisse misst, sieht die Auswirkung. Wer auch Treiber misst und mit dem Ergebnis ins Verhältnis setzt, versteht die Ursache.
| Ergebnis-Kennzahl | Treiber-Kennzahl | |
|---|---|---|
| Misst | Was erreicht wurde | Warum es erreicht wurde |
| Reaktionszeit | Langsam (Ergebnis zeigt sich verzögert) | Schnell (direkt beeinflussbar) |
| Beispiel Marketing | Return on Ad Spend (ROAS) | Kosten pro Klick (CPC), Conversion Rate |
| Beispiel Vertrieb | Abschlussquote | Anzahl Erstkontakte, Antwortzeit |
| Beispiel E-Commerce | Umsatz | Warenkorbwert, Retourenquote |
| Beispiel Finanzen | Deckungsbeitrag | Kosten pro Bestellung, Marge pro Produkt |
Gute Dashboards, Berichte und Analysen entahlten beides:
- Ergebnis-Kennzahlen, die zeigen, wo das Unternehmen steht
- Treiber-Kennzahlen, die zeigen, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann.
Wer nur auf Ergebnisse guckt, reagiert blind. Wer auch Treiber misst, steuert datenorientiert.
Wie daraus effektive Dashboards gebaut werden behandelt ein eigener Artikel (siehe Dashboards erstellen).
Eigenschaften nützlicher Kennzahlen
Die Eingeschaften helfen sind wichtig, um die für deine Ziele belastbaren KPIs zu definieren, anstatt oberflächlicher Metriken.
Messbare Relevanz für ein Geschäftsziel
Ergebnis-Kennzahlen können direkt oder indirekt auf dieses Ziel einwirken. Während Verkäufe im Online-Shop direkt einfließen, führt ein über die Website gestartetes Beratungsgespräch vielleicht erst später zu einem Ergebnis.
Gleiches gilt für Treiber-Kennzahlen. Eine gesteigerte Conversion-Rate bei Verkäufen führt bei gleicher Besucherzahl zu höherem Umsatz. Mehr Besucher bedeuten wiederum nicht gleich mehr Umsatz. Bieten bei entsprechender Qualität aber Potenzial, um sie zu Kunden zu machen.
Die dahinterliegenden Maßnahmen wiederum können diese Kennzahlen direkt und damit das Ergebnis indirekt steigern. Wenn z.B. eine bestimmte Art an Social Media Posts zu mehr Besuchern führt.
Beeinflussbarkeit und langfristige Wirkung
Eine Rabattaktion sorgt möglicherweise kurzfristig zu mehr Besuchern und Umsätzen, ist aber nur bedingt zur nachhaltigen Umsatzsteigerung der Website geeignet.
Das steigern der Conversion-Rate durch Optimierung der Artikelseiten auf der anderen Seite wäre eine nachhaltiger Methode für mehr Website-Umsatz.
Die Zusammenhänge der Kennzahlen betrachten
Eine gute Kennzahl misst etwas, das das Team durch eigene Maßnahmen verändern kann. Die Gesamtmarktentwicklung ist eine interessante Zahl, aber kein KPI für das Marketing-Team. Die Kosten pro qualifiziertem Lead hingegen sind direkt beeinflussbar.
Dieses Vorgehen ist zu empfehlen, damit die wichtigen Kennzahlen auch wirklich durch die Mitarbeiter in die Prozesse und Maßnahmen eingebunden werden:
Ziele und Zusammenhänge definieren:
- Geschäftsziel
- Ergebnis-Kennzahlen
- Treiber-Kennzahlen
- Prozesse
- Maßnahmen
- Mitarbeiter
Zuerst braucht es ein klares, messbares und beeinflussbares Ziel z.B. Website Umsatz steigern. Für dieses Ziel wiederum werden die relevanten Ergebnis- und Treiber-Kennzahlen identifiziert. Dahinterstehende Prozesse, Maßnahmen und Mitarbeiter nehmen direkten Einfluss auf diese Kennzahlen.
Überwachen und analysieren:
Um diese Ketten und damit direkten und indirekten Einfluss bestimmen zu können, müssen wiederum die Strukturen und Prozesse stimmen.
So muss in diesem Beispiel erst einmal eine Analysesoftware eingerichtet sein, um die Besucher auf der Website zu erfassen.
Ob bestimmte Blog-Artikel, Rabattaktionen oder Social Media Aktivitäten die Kennzahlen beeinflussen kann wiederum durch ein erfassen der detaillierten Nutzeraktivitäten auf den Unterseiten der Website erreicht werden.
Diese Daten müssen dann durch die Mitarbeiter analysiert werden, welche Rückschlüsse auf den Erfolg und Planung ihrer Maßnahmen ziehen.
Konkreter Anwendungsfall: Website-Umsatz steigern
Das folgende Beispiel zeigt, wie ein E-Commerce-Team das beschriebene Vorgehen konkret umsetzt. Das Geschäftsziel (20 % mehr Nettoumsatz über den Online-Shop) wird in messbare Ergebnis- und Treiber-Kennzahlen zerlegt. Jede Kennzahl hat einen Ist-Stand, einen Zielwert und eine verantwortliche Person. Die Struktur lässt sich auf andere Ziele und Bereiche übertragen.
Die erste Tabelle zeigt die Kennzahlen-Logik (Was messen wir und warum), die zweite den Umsetzungsplan (Was tun wir konkret).
Tabelle 1: Ziel, Kennzahlen und Zusammenhänge
| Ebene | Kennzahl | Aktuell | Ziel (12 Mon.) | Beeinflusst durch | Verantwortlich |
|---|---|---|---|---|---|
| Geschäftsziel | Nettoumsatz (nach Retouren) | 500.000 €/Jahr | 600.000 €/Jahr (+20 %) | Alle Treiber | Markus (GF) |
| Ergebnis | Bestellungen pro Monat | 420 | 520 | Traffic, Conversion Rate | Tom (Performance) |
| Ergebnis | Umsatz aus Newsletter-Kanal | 2.900 €/Monat | 6.000 €/Monat | Anmeldungen, E-Mail-Serien | Sarah (E-Mail) |
| Ergebnis | Wiederkäufer-Umsatzanteil | 18 % | 28 % | Wiederkäuferquote, Post-Purchase | Sarah (E-Mail) |
| Treiber | Website-Besucher pro Monat | 32.000 | 45.000 | Content, Social Media, SEO | Lea (Content) |
| Treiber | Conversion Rate | 1,3 % | 1,5 % | Artikelseiten, Checkout, A/B-Tests | Tom (Performance) |
| Treiber | Ø Warenkorbwert | 78 € | 88 € | Cross-Selling, Produktbündelung | Tom (Performance) |
| Treiber | Newsletter-Anmeldungen/Monat | 350 | 800 | Blog-Artikel, Social Media, Pop-ups | Lea (Content) |
| Treiber | Retourenquote | 15 % | unter 12 % | Produktinfos, Größenberatung | Markus (GF) |
| Treiber | Wiederkäuferquote (innerhalb 6 Mon.) | 22 % | 30 % | Post-Purchase-Serie, Anreize | Sarah (E-Mail) |
Tabelle 1 beantwortet die Frage „Was messen wir und warum?". Damit die Kennzahlen sich bewegen, stellt die nächste Tabelle Maßnahmen mit klarem Bezug zu den Treiberndar. Inklusive einem Verantwortlichen und einem Starttermin.
Tabelle 2: Maßnahmen und Umsetzung
| Treiber-Kennzahl | Maßnahme | Aktuell | Geplant | Verantwortlich | Start |
|---|---|---|---|---|---|
| Website-Besucher | 2 Blog-Artikel/Woche (Vergleiche, Tipps) | 2 Artikel/Monat | 8 Artikel/Monat | Lea (Content) | Monat 1 |
| Website-Besucher | Social Media: 3× Reels, 2× Karussell/Woche | unregelmäßig, 2×/Woche | 5×/Woche mit Redaktionsplan | Lea (Content) | Monat 1 |
| Conversion Rate | A/B-Tests auf Artikelseiten (CTA, Bilder, Bewertungen) | keine Tests | 2 Tests/Monat | Tom (Performance) | Monat 3 |
| Warenkorbwert | Cross-Selling im Warenkorb und Checkout | nicht vorhanden | automatisierte Empfehlungen | Tom (Performance) | Monat 2 |
| Newsletter-Anmeldungen | Anmeldeformulare optimieren (Pop-up, Blog-Sidebar) | einfaches Footer-Formular | Pop-up + Sidebar + Incentive | Lea, Sarah | Monat 1 |
| Newsletter-Umsatz | Willkommensserie (5 E-Mails über 14 Tage) | keine Automation | automatisierte Serie | Sarah (E-Mail) | Monat 2 |
| Wiederkäuferquote | Post-Purchase-Serie (Pflege, Zubehör, Wiederkauf-Anreiz) | kein Prozess | 3-teilige E-Mail-Serie | Sarah (E-Mail) | Monat 3 |
| Retourenquote | Retourenanalyse nach Produktkategorie + Ursache | keine Auswertung | quartalsweise Analyse | Markus (GF) | Monat 3 |
Solche Ziele, Kennzahlen und Maßnahmen können von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein.
Ein strukturiertes Vorgehen bspw. durch solche Tabellen hilft sehr bei der initialen Planung, Nachverfolgung und Optimierung des Vorgehens.
Vermeide diese typischen Fehler der KPI-Auswahl
Zu viele Kennzahlen
Es geht weniger um die Anzhal der Kennzahlen als, deren Bedeutung. Ein Auflistern der potenziell relevanten Kennzahlen und Zuordnung eines Prioritätswerts von 0 bis 1 sorgt für Klarheit bei der Relevanz.
Schönheitsmetriken
Manche Zahlen sehen gut aus, bringen aber für sich alleine keinen Mehrwert. Typische Beispiele sind Followerzahlen, Seitenaufrufe oder Anzahl versendeter E-Mails. Sie sind nicht allgemein schlecht, aber ohne entsprechenden Kontext auch nicht allgemein gut. Sie haben keinen konkreten Einfluss auf die Geschäftsziele.
Fehlende oder unklare Definition
Ein Umsatz z.B. kann brutto, netto, vor Retouren, nach Retouren etc. sein. Damit im Team Klarheit über Bedeutung der Kennzahlen herrscht, sollten diese klar definiert sein.
Fazit
Der Wert von Business Intelligence liegt nicht in der Menge der verfügbaren Daten, sondern den Zahlen die tatsächlich Entscheidungen und Ergebnisse verbessern.
Rohdaten werden durch Aggregation zu Metriken und Metriken werden durch Zielbezug zu Kennzahlen. Erst diese Kennzahlen in ihrem Kontext sind die Grundlage, auf der Dashboards, Berichte und datengestützte Entscheidungen aufbauen.
Alle Daten. Ein System.
Kontakt
Paul Zehm
Gründer von Sandbank